Du musst gar nichts tun – das ist die wichtigste Nachricht
Wenn du einen Riester-Vertrag hast, hast du nach der Reform genau eine Pflicht: keine. Dein Vertrag genießt Bestandsschutz. Er läuft nach seinen bisherigen Regeln weiter, du zahlst weiter ein, du bekommst weiter deine Förderung. Niemand kündigt dir etwas, niemand fordert Zulagen zurück.
Neu ist nur: Ab dem 01.01.2027 kannst du keinen Riester-Vertrag mehr neu abschließen. An seine Stelle tritt das Altersvorsorgedepot. Und du bekommst ein Wahlrecht – du darfst wechseln, du musst aber nicht.
Genau da fängt die eigentliche Frage an. Und die lässt sich nicht mit einem Satz beantworten, weil sie von deinem konkreten Altvertrag abhängt. Was wir hier machen können: dir die Kriterien geben, an denen sich die Entscheidung tatsächlich entscheidet.
Was beim Wechsel konkret passiert
Die Modalitäten sind im Gesetz geregelt:
| Punkt | Regelung |
|---|---|
| Bisherige Zulagen | Bleiben dir erhalten, keine Rückzahlung |
| Steuervorteile aus der Vergangenheit | Bleiben erhalten |
| Kosten beim Alt-Anbieter | Ab 5 Jahren Vertragslaufzeit ist der Wechsel kostenfrei |
| Kosten beim neuen Anbieter | Maximal 150 € Verwaltungspauschale |
| Bestehendes Kapital | Wandert in das neue Altersvorsorgedepot |
| Pflicht zum Wechsel | Keine – dein Altvertrag läuft sonst normal weiter |
Der Wechsel ist also technisch unspektakulär und finanziell sauber geregelt. Das heißt aber nicht, dass er sich für jeden lohnt. Denn was du beim Wechsel mitnimmst, ist dein Kapital – nicht die Konditionen deines Altvertrags.
Sparrate, Alter und Kinder eingeben — der Rechner zeigt dir Zulagen, Förderquote und den möglichen Depotwert mit 67. Kostenlos, ohne Anmeldung, die Eingaben verlassen deinen Browser nicht.
Zum FörderrechnerDie fünf Kriterien, die wirklich zählen
1. Die Kosten deines Altvertrags
Bei vielen klassischen Riester-Verträgen fallen die Abschluss- und Vertriebskosten in den ersten Jahren an. Wenn dein Vertrag zehn Jahre läuft, hast du diese Kosten größtenteils schon bezahlt. Ein Wechsel macht sie nicht rückgängig – du hast sie getragen und startest im neuen Vertrag mit einer neuen Kostenstruktur.
Umgekehrt: Wenn dein Altvertrag laufend hohe Verwaltungskosten frisst, wirkt sich das über zwanzig Jahre erheblich aus. Das Standarddepot ist bei den Effektivkosten gesetzlich auf maximal 1,0 % pro Jahr gedeckelt.
Was du dafür brauchst: dein aktuelles Produktinformationsblatt oder die jährliche Standmitteilung. Dort stehen die Effektivkosten deines Vertrags. Genau diese Zahl gehört neben die 1,0 %.
2. Deine Restlaufzeit
Kosten und Renditeunterschiede wirken über Zeit. Wer noch 25 Jahre bis zur Rente hat, bei dem schlägt ein Prozentpunkt Kostenunterschied deutlich stärker durch als bei jemandem, der in vier Jahren in die Auszahlungsphase geht. Rentennahe Jahrgänge haben schlicht weniger Jahre, in denen sich ein Wechsel überhaupt auszahlen könnte.
3. Dein Bedarf an Garantien
Klassische Riester-Verträge arbeiten mit einer Beitragsgarantie: Zum Rentenbeginn ist dir mindestens das eingezahlte Kapital sicher. Diese Sicherheit kostet Rendite, weil ein großer Teil des Geldes konservativ angelegt werden muss.
Das Altersvorsorgedepot gibt es in drei Varianten:
- ohne Garantie – maximale Chance, volles Marktrisiko
- 80-%-Garantie – Mittelweg
- 100-%-Garantie – dem Riester-Prinzip am nächsten
Die ehrliche Frage lautet also nicht "Garantie ja oder nein", sondern: Wie viel Schwankung hältst du aus, ohne bei einem Kurseinbruch nervös zu werden? Wer 2008 Bauchschmerzen hatte, sollte das bei der Antwort berücksichtigen.
4. Garantierte Verrentung im Altvertrag
Manche ältere Riester-Verträge enthalten einen garantierten Rentenfaktor – also eine Zusage, wie viel monatliche Rente du später je 10.000 € Kapital bekommst. Solche Zusagen aus alten Vertragsgenerationen können wertvoll sein und gehen bei einem Wechsel verloren.
Das ist kein Argument gegen den Wechsel, aber ein Punkt, den du kennen musst, bevor du entscheidest. Schau in deine Vertragsunterlagen oder frag deinen Anbieter direkt nach dem garantierten Rentenfaktor.
5. Wohn-Riester
Wenn du deinen Riester-Vertrag für eine Immobilie einsetzen willst oder das bereits getan hast, ist das ein eigenes Kapitel. Auch das Altersvorsorgedepot kennt die Eigenheimrente: Der Altersvorsorge-Eigenheimbetrag lässt sich bis zu 100 % des Vermögens für selbstgenutztes Wohneigentum nutzen. Die entnommenen Beträge landen im Wohnförderkonto und sind über fünf Jahre zu versteuern.
Was für den Wechsel spricht – und was dagegen
| Eher für einen Wechsel | Eher für Behalten |
|---|---|
| Altvertrag hat hohe laufende Kosten | Altvertrag ist günstig, Kosten längst bezahlt |
| Noch viele Jahre bis zur Rente | Rentenbeginn steht kurz bevor |
| Du willst mehr Aktienquote und akzeptierst Schwankungen | Du brauchst die volle Beitragsgarantie für deinen Seelenfrieden |
| Kein wertvoller garantierter Rentenfaktor vorhanden | Attraktiver garantierter Rentenfaktor im Altvertrag |
| Du hast Kinder und profitierst von der neuen Kinderzulage | Deine Förderung im Altvertrag ist in deiner Situation vergleichbar |
Du siehst: Die Tabelle hat zwei Spalten, und das ist Absicht. Es gibt keine Antwort, die für alle stimmt. Wer dir sagt "Riester ist tot, wechsel sofort" oder "Finger weg vom Neuen", verkauft dir eine Meinung als Fakt.
Wie du systematisch zu deiner Entscheidung kommst
- Unterlagen zusammensuchen. Standmitteilung, Produktinformationsblatt, Vertragsbedingungen.
- Drei Zahlen herausschreiben. Effektivkosten pro Jahr, garantierter Rentenfaktor (falls vorhanden), aktuelles Vertragsguthaben.
- Restlaufzeit bestimmen. Wie viele Jahre bis zum geplanten Rentenbeginn?
- Förderung gegenrechnen. Wie viel Zulage bekämst du künftig im Altersvorsorgedepot? Der Förderrechner zeigt dir die Größenordnung. Details dazu findest du unter Zulagen berechnen.
- Garantiebedarf ehrlich klären. Nicht was du dir wünschst – was du aushältst.
- Bei Steuerfragen den Profi holen. Wohnförderkonto, Sonderausgabenabzug, individuelle Steuerlast: Das gehört in die Hände einer steuerberatenden Person.
Wenn du wissen willst, worin sich die beiden Systeme grundsätzlich unterscheiden, hilft dir der Beitrag Riester vs. Altersvorsorgedepot. Und wenn du überlegst, ob es statt beidem auch ein freier Sparplan tut, lies Altersvorsorgedepot oder freier ETF-Sparplan.
Ein offener Punkt: die Anbieterpraxis
Wie einzelne Anbieter den Wechsel konkret abwickeln, welche Formulare sie verlangen und wie schnell sie Kapital übertragen, steht noch nicht fest. Die Produkte starten erst zum 01.01.2027. Erst dann wird sich zeigen, wer sauber arbeitet. Wir tun hier nicht so, als wüssten wir das heute schon.
Das Wichtigste in Kürze
- Dein Riester-Vertrag hat Bestandsschutz. Er läuft weiter, du musst nichts tun, und bereits erhaltene Zulagen bleiben dir in jedem Fall erhalten.
- Ab dem 01.01.2027 gibt es keine Riester-Neuabschlüsse mehr – bestehende Verträge sind davon nicht betroffen.
- Ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist ab 5 Jahren Vertragslaufzeit kostenfrei; der neue Anbieter darf höchstens 150 € Verwaltungspauschale verlangen.
- Entscheidend sind fünf Punkte: Kosten des Altvertrags, Restlaufzeit, Garantiebedarf, ein möglicher garantierter Rentenfaktor und Wohn-Riester.
- Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht – und wir geben auch keine. Hol dir die drei Zahlen aus deinen Unterlagen und zieh bei Steuerfragen eine steuerberatende Person hinzu.
Quelle
BMF: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge