Die kurze Antwort vorweg
Ab dem 1. Januar 2027 kannst du keinen neuen Riester-Vertrag mehr abschließen. An seine Stelle tritt das Altersvorsorgedepot. Der Bundestag hat das Altersvorsorge-Reformgesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 zugestimmt.
Für dich sind drei Punkte entscheidend:
- Mehr Zulage. Statt einer festen Grundzulage gibt es eine Staffel mit bis zu 540 € pro Jahr, dazu bis zu 300 € pro Kind.
- Keine Beitragsgarantie mehr – wenn du das willst. Beim Riester-Vertrag musste dir der Anbieter zum Rentenbeginn mindestens deine eingezahlten Beiträge plus Zulagen garantieren. Beim Depot kannst du dich bewusst dagegen entscheiden.
- Gedeckelte Kosten. Beim sogenannten Standarddepot dürfen die Effektivkosten gesetzlich höchstens 1,0 % pro Jahr betragen.
Wenn du schon einen Riester-Vertrag hast: Der läuft weiter. Du musst nichts tun. Mehr dazu weiter unten.
Warum Riester ersetzt wurde
Riester galt lange als gut gemeint, aber schwer nutzbar. Zwei Konstruktionsfehler tauchen in fast jeder Kritik auf:
Die 100-%-Beitragsgarantie. Der Anbieter musste zum Rentenbeginn garantiert alle eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stellen. Um das sicher hinzubekommen, mussten die Anbieter einen großen Teil des Geldes sehr sicher anlegen. In einer Niedrigzinsphase blieb entsprechend wenig Spielraum für Aktien – und damit für Wertsteigerung.
Die Kosten. Abschluss- und Verwaltungskosten waren bei Riester nicht gedeckelt. Bei manchen Verträgen fraß die Kostenseite einen erheblichen Teil der Förderung auf.
Das Altersvorsorgedepot setzt genau hier an: Garantie wird optional, Kosten werden begrenzt.
Riester alt und Depot neu im direkten Vergleich
| Merkmal | Riester (Bestandsverträge) | Altersvorsorgedepot (ab 2027) |
|---|---|---|
| Grundzulage | 175 € pro Jahr, fest | Staffel: 50 Cent je Euro bis 360 € Eigenbeitrag, danach 25 Cent je Euro bis 1.800 € → max. 540 € |
| Kinderzulage | 300 € (Kind ab 2008 geboren), 185 € (davor) | 1 € je eingezahltem Euro, max. 300 € pro Kind – unabhängig vom Geburtsjahr |
| Berufseinsteigerbonus | 200 € einmalig | 200 € einmalig, bei Abschluss vor Vollendung des 25. Lebensjahres |
| Mindesteigenbeitrag | 4 % des Vorjahresbruttos abzüglich Zulagen, mindestens 60 € Sockelbeitrag | 120 € pro Jahr, unabhängig vom Einkommen |
| Maximal geförderte Einzahlung | 2.100 € pro Jahr (inkl. Zulagen) als Sonderausgaben | Einzahlung bis 6.840 € pro Jahr, Sonderausgabenabzug bis 2.340 € (ohne Kinder) |
| Garantie | 100 % der Beiträge und Zulagen – verpflichtend | Wählbar: ohne Garantie, 80 % oder 100 % |
| Kosten | nicht gedeckelt | Standarddepot: max. 1,0 % Effektivkosten p. a. |
| Steuern in der Ansparphase | steuerfrei | steuerfrei |
| Steuern in der Auszahlung | nachgelagert, persönlicher Steuersatz | nachgelagert, persönlicher Steuersatz |
| Auszahlungsbeginn | in der Regel ab 62 | frühestens 65, spätestens 70 |
| Einmalentnahme | max. 30 % zu Rentenbeginn | max. 30 % des Vermögens |
| Neuabschluss ab 2027 | nicht mehr möglich | ja |
Die Riester-Werte in der linken Spalte beziehen sich auf die bis Ende 2026 geltenden Regeln. Sie bleiben für Bestandsverträge relevant.
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Zum FörderrechnerWas der Wegfall der Beitragsgarantie wirklich bedeutet
Das ist der Punkt, an dem die meisten hängen bleiben – zu Recht. Eine Garantie klingt nach Sicherheit, und sie ist auch eine. Sie hat aber einen Preis: Geld, das garantiert werden muss, kann nicht frei angelegt werden.
Beim Altersvorsorgedepot hast du drei Varianten zur Wahl:
- Depot ohne Garantie: volle Anlagefreiheit, volles Schwankungsrisiko. Am Ende kann mehr herauskommen als eingezahlt – oder weniger.
- 80-%-Garantie: Mindestens 80 % der Einzahlungen stehen zum Start der Auszahlungsphase zur Verfügung.
- 100-%-Garantie: Wie bei Riester. Deine Einzahlungen sind vollständig abgesichert, die Renditechance ist entsprechend kleiner.
Was in allen Varianten gleich läuft: Vor Beginn der Auszahlungsphase wird dein Vermögen automatisch in ein sicheres Anlageprodukt umgeschichtet. Du sitzt also nicht mit einem Aktiendepot da, wenn im Jahr deiner ersten Rentenzahlung die Kurse einbrechen.
Was mit deinem bestehenden Riester-Vertrag passiert
Hier kann Entwarnung gegeben werden:
- Dein Vertrag genießt Bestandsschutz und läuft ganz normal weiter.
- Du kannst weiter einzahlen und bekommst weiter Zulagen nach dem alten Modell.
- Ein Wechsel in die neue Fördersystematik ist optional, nicht verpflichtend.
- Bisher erhaltene Zulagen musst du bei einem Wechsel nicht zurückzahlen.
Der Vergleich lohnt sich trotzdem. Ein Beispiel: Zahlst du 1.800 € im Jahr ein, bekommst du nach neuem Modell 540 € Grundzulage. Nach altem Riester-Modell wären es 175 €. Bei zwei Kindern kommen im neuen System bis zu 600 € Kinderzulage dazu.
Ob sich ein Wechsel für dich rechnet, hängt aber nicht nur an der Zulage. Alter, Restlaufzeit, Kostenstruktur deines Altvertrags und eine eventuell garantierte Verrentung spielen mit hinein. Eine ältere Riester-Rentenversicherung kann zum Beispiel einen hohen garantierten Rentenfaktor haben, den du beim Wechsel verlierst. Wie die Anbieter den Wechsel praktisch abwickeln, steht noch nicht im Detail fest. Wir aktualisieren den Artikel Riester-Vertrag wechseln oder behalten, sobald sich das konkretisiert.
Wer vom Wechsel der Systeme am meisten profitiert
Ohne Prognosen über einzelne Produkte: Rein rechnerisch fällt die Förderquote im neuen System vor allem in zwei Konstellationen deutlich besser aus.
Familien. Die Kinderzulage wird 1:1 auf den eingezahlten Euro gezahlt, bis zu 300 € pro Kind. Bei zwei Kindern reichen 50 € im Monat, um 600 € Kinderzulage plus 240 € Grundzulage einzusammeln. Details dazu im Artikel 300 € pro Kind.
Menschen mit kleinem Einkommen. Der Mindesteigenbeitrag liegt bei 120 € im Jahr, also 10 € im Monat, und ist nicht mehr an dein Bruttoeinkommen gekoppelt. Beim Riester musstest du 4 % deines Vorjahresbruttos einzahlen, um die volle Zulage zu bekommen. Wer wenig verdient, kann jetzt auch mit kleinen Beträgen die Staffel nutzen.
Alle Details zur Staffel und zu den Beträgen findest du in unserer Übersicht zum Altersvorsorgedepot und in der Rechnung Bis zu 540 € Zulage. Wie viel Förderung bei deiner Sparrate zusammenkommt, zeigt dir der Förderrechner.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 1. Januar 2027 gibt es keine neuen Riester-Verträge mehr. Das Altersvorsorgedepot tritt an ihre Stelle.
- Die Förderung steigt: bis zu 540 € Grundzulage, bis zu 300 € je Kind, einmalig 200 € für Berufseinsteiger unter 25.
- Die Beitragsgarantie ist optional – du wählst zwischen ohne Garantie, 80 % und 100 %. Ohne Garantie sind Verluste möglich.
- Beim Standarddepot sind die Effektivkosten auf 1,0 % pro Jahr gedeckelt.
- Bestehende Riester-Verträge laufen weiter. Ein Wechsel ist möglich, aber freiwillig – bisherige Zulagen musst du nicht zurückzahlen.
Quelle
BMF: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge