Finanzhaus Südbaden
Grundlagen7 Min. Lesezeit

Maximal 1 % Kosten: Was das Standarddepot über 40 Jahre spart

Standarddepot Kosten: Der Gesetzgeber deckelt die Effektivkosten auf 1,0 % pro Jahr. Was das über 40 Jahre Sparzeit konkret bedeutet – mit Rechenbeispiel.

Kosten sind der stille Renditekiller

Wenn du über Altersvorsorge nachdenkst, drehen sich die meisten Gespräche um Rendite: Welche Fonds? Welche Aktienquote? Wie viel Risiko? Das ist verständlich – aber es blendet den einen Faktor aus, den du tatsächlich kontrollieren kannst.

Die Rendite deiner Anlage kannst du nicht bestimmen. Die Kosten schon.

Und Kosten wirken über Jahrzehnte brutal. Nicht, weil ein Prozent viel Geld wäre. Sondern weil dir jeder Euro Gebühr auch die gesamte Rendite fehlt, die dieser Euro in den nächsten 30 Jahren noch erwirtschaftet hätte. Der Zinseszins arbeitet in beide Richtungen.

Genau hier setzt der Gesetzgeber beim Altersvorsorgedepot an: Für das sogenannte Standarddepot sind die Effektivkosten gesetzlich auf maximal 1,0 % pro Jahr gedeckelt. Was das über eine typische Sparzeit bedeutet, rechnen wir dir hier vor.

Was „Effektivkosten" überhaupt heißt

Effektivkosten sind die Gesamtkostenquote – also alles, was pro Jahr von deinem Vermögen abgeht, zusammengerechnet:

  • Verwaltungskosten des Anbieters
  • Kosten der Fonds oder ETFs im Depot
  • Depotführung
  • laufende Vertriebs- und Abschlusskosten

Der Deckel von 1,0 % bezieht sich auf diese Gesamtsumme. Das ist der entscheidende Punkt. Es bringt dir nichts, wenn ein Anbieter mit „0 € Depotgebühr" wirbt und dir dann Fonds mit 1,9 % laufenden Kosten einbaut. Beim Standarddepot ist genau dieses Spiel ausgeschlossen.

Das Rechenbeispiel: 150 € monatlich, 40 Jahre

Die Annahmen sind bewusst schlicht gehalten, damit du sie nachrechnen kannst:

  • Sparrate: 150 € pro Monat
  • Laufzeit: 40 Jahre (480 Monate)
  • Eingezahlt insgesamt: 72.000 €
  • Bruttorendite der Anlage: 6 % pro Jahr
  • Nettorendite: Bruttorendite minus Kostenquote

Die Zulagen lassen wir in diesem Beispiel bewusst außen vor – es geht hier nur um den reinen Kosteneffekt. Was die Förderung zusätzlich bringt, rechnet dir der Förderrechner aus.

Kostenquote p. a.NettorenditeEndvermögen nach 40 JahrenErtrag über die Einzahlung hinaus
0,3 %5,7 %265.104 €193.104 €
1,0 % (Deckel Standarddepot)5,0 %222.379 €150.379 €
1,8 %4,2 %182.763 €110.763 €
2,5 %3,5 %154.617 €82.617 €

Zum Vergleich: Ganz ohne Kosten – rein theoretisch, bei vollen 6 % – lägen am Ende 286.152 € im Depot.

Wie viel Förderung steht dir zu?

Sparrate, Alter und Kinder eingeben — der Rechner zeigt dir Zulagen, Förderquote und den möglichen Depotwert mit 67. Kostenlos, ohne Anmeldung, die Eingaben verlassen deinen Browser nicht.

Zum Förderrechner

Was diese Zahlen bedeuten

Schau dir den Sprung von 1,0 % auf 1,8 % an. Das sind 0,8 Prozentpunkte. Klingt nach nichts. Der Unterschied im Endvermögen beträgt 39.616 €.

Zur Einordnung: Du hast über 40 Jahre insgesamt 72.000 € eingezahlt. Die 0,8 Prozentpunkte kosten dich am Ende mehr als die Hälfte deiner gesamten Einzahlungen.

Noch deutlicher wird es, wenn du die Kosten daran misst, wie viel sie vom theoretischen Bruttoergebnis abschneiden:

Kostenquote p. a.Verlust gegenüber 6 % ohne KostenAnteil
0,3 %21.048 €7,4 %
1,0 %63.773 €22,3 %
1,8 %103.388 €36,1 %
2,5 %131.535 €46,0 %

Bei 2,5 % laufenden Kosten – ein Wert, der bei manchen klassischen Vorsorgeprodukten durchaus vorkommt – landet fast die Hälfte des möglichen Anlageergebnisses bei der Finanzbranche und nicht bei dir.

Das ist keine Bosheit, sondern Mathematik: Kosten werden jedes Jahr auf das gesamte, inzwischen gewachsene Vermögen erhoben. In den letzten zehn Jahren deiner Sparzeit ist dein Depot am größten – und genau dann kostet jeder Prozentpunkt am meisten Geld.

Warum der gesetzliche Deckel ein echter Vorteil ist

Ohne Deckel müsstest du als Sparer selbst prüfen, ob die Kostenstruktur eines Produkts fair ist. Das ist in der Praxis schwer:

  • Kosten stecken auf mehreren Ebenen (Produkt, Fonds, Depot).
  • Sie stehen an unterschiedlichen Stellen im Kleingedruckten.
  • Sie sind zwischen Anbietern kaum vergleichbar dargestellt.

Der 1-%-Deckel dreht diese Logik um. Er setzt eine Obergrenze, unter der jeder Anbieter bleiben muss, wenn er ein Standarddepot anbieten will. Du musst nicht mehr den fairsten Anbieter finden – du hast eine Untergrenze an Fairness bereits eingebaut.

Drei praktische Folgen:

  1. Der Worst Case ist begrenzt. Selbst wenn du dich für den teuersten zulässigen Anbieter entscheidest, bezahlst du maximal 1,0 %. Vergleich das mit den 2,5 % aus der Tabelle – der Unterschied liegt bei 67.762 €.
  2. Der Wettbewerb geht nach unten. Anbieter können sich nicht mehr über hohe Margen differenzieren, sondern nur noch über niedrigere Kosten und bessere Anlagequalität.
  3. Dein Vergleichsaufwand sinkt. Statt Kostenstrukturen zu entschlüsseln, kannst du dich auf die Fragen konzentrieren, die wirklich zu dir passen müssen: Garantie oder nicht, Aktienquote, Anlagestrategie. Mehr dazu in ETF und Anlage im Depot.

Und im Vergleich zum freien ETF-Sparplan?

Ein günstiger ETF-Sparplan bei einem Neobroker kommt mit Kosten unter 0,3 % aus. Rein bei den Kosten gewinnt er also gegen das Standarddepot.

Nur ist das nicht die ganze Rechnung. Das Altersvorsorgedepot bringt zwei Dinge mit, die der freie Sparplan nicht hat:

  • Zulagen von bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr, 300 € je Kind und einmalig 200 € Berufseinsteigerbonus.
  • Steuerfreiheit in der Ansparphase – keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne, keine Vorabpauschale. Das Geld, das im freien Depot jedes Jahr ans Finanzamt geht, bleibt hier investiert und verzinst sich weiter.

Dafür ist das Geld bis mindestens 65 gebunden und wird bei der Auszahlung besteuert. Welche Seite für dich überwiegt, hängt von deiner Situation ab – der ausführliche Vergleich steht in Altersvorsorgedepot vs. ETF-Sparplan.

Rechne nach – die Formel ist einfach

Du musst dich auf keine Tabelle verlassen. Der Endwert einer monatlichen Sparrate berechnet sich so:

Endwert = Rate × ((1 + i)^n − 1) ÷ i

Dabei ist n die Zahl der Monate und i der Monatszins, also (1 + Nettorendite)^(1/12) − 1. Für 5 % Nettorendite ergibt das einen Monatszins von rund 0,4074 %, 480 Monate und 150 € Rate – heraus kommen die 222.379 € aus der Tabelle.

Setz einfach mal deine eigene Sparrate ein. Der Kosteneffekt skaliert linear mit der Rate: Wer 300 € statt 150 € spart, verliert durch einen Prozentpunkt mehr Kosten auch doppelt so viel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Standarddepot sind die Effektivkosten gesetzlich auf maximal 1,0 % pro Jahr gedeckelt – inklusive Fonds-, Verwaltungs- und Depotkosten.
  • Bei 150 € monatlich über 40 Jahre und 6 % Bruttorendite bleiben bei 1,0 % Kosten 222.379 € übrig – bei 1,8 % nur 182.763 €, bei 2,5 % nur 154.617 €.
  • 0,8 Prozentpunkte mehr Kosten kosten dich in diesem Beispiel fast 40.000 € – mehr als die Hälfte deiner gesamten Einzahlungen.
  • Der Deckel ist eine Obergrenze, kein Zielwert: Frag beim Abschluss nach der konkreten Effektivkostenquote, nicht nur nach der Einhaltung des Limits.
  • Welche Anbieter zum Start 2027 welche Konditionen bieten, ist noch offen. Rechne mit dem Förderrechner deine eigene Ausgangslage durch, statt auf Werbeversprechen zu warten.

Quelle

BMF: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge

Rechtsstand: 13.07.2026. Dieser Beitrag informiert über die gesetzliche Neuregelung und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Das könnte dich auch interessieren

Vergleich7 Min. Lesezeit

Altersvorsorgedepot oder freier ETF-Sparplan?

Altersvorsorgedepot vs. ETF-Sparplan: Förderung und Steuerstundung gegen Flexibilität. Der ehrliche Vergleich mit Tabelle – beide Seiten, ohne Verkaufsmasche.

Bleib bei der Reform auf dem Laufenden

Ab 2027 gilt das neue Recht — bis dahin ändern sich Details, Anbieter und Konditionen laufend. Wir schicken dir eine Mail, wenn etwas Wichtiges passiert. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.