Warum Riester so wenig abgeworfen hat
Um zu verstehen, was das Altersvorsorgedepot anders macht, musst du kurz zurückschauen.
Bei der Riester-Rente galt eine Bruttobeitragsgarantie: Zu Rentenbeginn musste mindestens die Summe aus allen eingezahlten Beiträgen plus Zulagen wieder da sein. 100 Prozent. Garantiert.
Das klingt gut. In der Praxis war es der Grund, warum Riester bei vielen Menschen kaum Ertrag gebracht hat. Denn ein Anbieter, der eine Garantie über 30 oder 40 Jahre abgeben muss, kann nicht frei anlegen. Er muss den Großteil des Geldes so investieren, dass die Garantie sicher gedeckt ist — also überwiegend in Anleihen und ähnliche Anlagen.
In der Niedrigzinsphase war das fatal: Anleihen warfen kaum etwas ab, gleichzeitig fraßen die Garantiekosten Rendite. Für Aktien blieb wenig Spielraum. Ergebnis: viel Sicherheit, wenig Wachstum.
Was sich ab 2027 ändert
Mit dem Altersvorsorge-Reformgesetz (Bundestag 27.03.2026, Bundesrat 08.05.2026) fällt die Pflicht zur Bruttobeitragsgarantie. Ab dem 01.01.2027 darf ein gefördertes Altersvorsorgeprodukt auch ganz ohne Garantie angeboten werden.
Das ist der eigentliche Kern der Reform. Denn ohne Garantiezwang kann das Geld deutlich stärker in Aktien, Fonds und ETFs fließen. Eine hohe Aktienquote wird möglich — bis hin zu einem echten Depot, das im Kern aussieht wie ein normales Wertpapierdepot.
Der Preis dafür ist ehrlich benannt: Höhere Renditechance heißt höhere Schwankung. Ohne Garantie gibt es keinen Kapitalschutz. Wenn die Märkte fallen, fällt dein Depotwert mit.
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Zum FörderrechnerDie drei Varianten im Überblick
Ab 2027 kannst du zwischen drei Garantieniveaus wählen. Alle drei sind förderfähig — die Zulagen bekommst du in jedem Fall.
| Variante | Was garantiert ist | Typische Anlage | Renditechance | Schwankung |
|---|---|---|---|---|
| Ohne Garantie | Nichts. Echtes Depot mit Aktien, Fonds, ETFs. | Hohe Aktienquote möglich | Am höchsten | Am höchsten |
| 80-%-Garantie | 80 % der eingezahlten Beiträge zu Rentenbeginn | Mischung aus Aktien und Sicherungsvermögen | Mittel | Mittel |
| 100-%-Garantie | 100 % der eingezahlten Beiträge zu Rentenbeginn | Überwiegend sichere Anlagen | Am niedrigsten | Am niedrigsten |
Die Logik dahinter ist immer dieselbe: Jede Garantie kostet Rendite. Je mehr Sicherheit der Anbieter zusagen muss, desto weniger Geld kann er in schwankungsanfällige, aber langfristig ertragreichere Anlagen stecken.
Wem welche Variante tendenziell liegt
Das ist keine Empfehlung — nur die Logik, die sich aus der Sache ergibt:
- Ohne Garantie passt strukturell zu Menschen mit langem Anlagehorizont (grob: 20 Jahre und mehr bis zur Auszahlung), die zwischenzeitliche Verluste aushalten können, ohne nervös zu werden oder das Geld zu brauchen.
- 80-%-Garantie ist der Mittelweg: ein Teil des Aktienpotenzials, aber ein Boden nach unten.
- 100-%-Garantie ist für Menschen, die zwischenzeitliche Verluste nicht ertragen wollen oder nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben. Sicherheit ja — aber mit deutlich gedämpfter Renditechance.
Was für dich richtig ist, hängt von deinem Zeithorizont, deiner finanziellen Lage und deiner Nervenstärke ab. Diese Frage kann dir kein Artikel abnehmen und wir dürfen sie als Versicherungsmakler auch nicht für dich entscheiden — wir sind keine Anlageberater.
Was heißt „echtes Depot"?
In der garantiefreien Variante ist das Altersvorsorgedepot tatsächlich ein Wertpapierdepot. Anlagegegenstand können unter anderem sein:
- ETFs — börsengehandelte Indexfonds, die einen Markt breit abbilden
- Aktienfonds — aktiv verwaltete Fonds
- Einzelaktien — je nach Produktausgestaltung
- Mischungen daraus
Welche konkreten Wertpapiere die Anbieter tatsächlich zulassen werden, ist noch offen. Ob du bei jedem Anbieter einen beliebigen ETF wählen darfst oder nur aus einer vorgegebenen Liste, entscheidet sich erst mit den konkreten Produkten. Wir tragen das nach, sobald es belastbar ist.
Die automatische Umschichtung vor Rentenbeginn
Ein wichtiger Sicherheitsmechanismus, den viele übersehen: Vor der Auszahlungsphase wird dein Guthaben automatisch in ein sicheres Anlageprodukt umgeschichtet.
Der Sinn ist offensichtlich. Stell dir vor, dein Depot steckt zu 90 Prozent in Aktien und im Jahr deines Rentenbeginns bricht der Markt ein. Ohne Umschichtung müsstest du genau im Tief verkaufen. Die automatische Umschichtung soll genau das verhindern: Je näher die Auszahlung rückt, desto sicherer wird angelegt.
Das bedeutet auch: Die hohe Aktienquote wirkt vor allem in den frühen und mittleren Jahren des Vertrags. Wer erst mit Mitte 50 anfängt, hat weniger Zeit, in der die Aktienquote überhaupt arbeiten kann.
Wie die Auszahlung dann läuft — frühestens ab 65, spätestens ab 70, Auszahlplan mindestens bis 85, Einmalentnahme maximal 30 Prozent — steht in Auszahlungsphase: 65 bis 70.
Ehrlich gesagt: Was wir noch nicht wissen
- Welche Anbieter ab 2027 welche Varianten anbieten — offen.
- Welche ETFs und Fonds konkret wählbar sein werden — offen.
- Wie genau die Umschichtung ausgestaltet wird (wann sie startet, in welchen Schritten) — hängt vom jeweiligen Produkt ab und ist noch offen.
- Wie hoch die Aktienquoten in der Praxis ausfallen — das entscheiden die Anbieter.
Wer dir heute schon konkrete Produkte oder Renditen verspricht, verspricht zu viel. Wir liefern nach, was gesichert ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Riester musste 100 % der Beiträge garantieren. Deshalb landete das Geld überwiegend in Anleihen — mit entsprechend magerer Rendite.
- Ab 2027 fällt der Garantiezwang. Damit ist eine deutlich höhere Aktienquote möglich, bis hin zum echten Depot mit Aktien, Fonds und ETFs.
- Es gibt drei Varianten: ohne Garantie, 80-%-Garantie, 100-%-Garantie. Jede Garantie kostet Renditechance.
- Ohne Garantie gibt es keinen Kapitalschutz. Kursschwankungen sind real, ein langer Anlagehorizont ist die Grundvoraussetzung.
- Vor Rentenbeginn wird automatisch ins sichere Anlageprodukt umgeschichtet, damit dich kein Crash kurz vor der Auszahlung erwischt.
Quelle
BMF: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge