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Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot wirklich?

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot? Sechs Profile im Check – Familien, Berufseinsteiger, Gutverdiener, Geringverdiener, Selbstständige und rentennahe Jahrgänge.

Die Förderquote entscheidet – nicht das Produkt

Ob sich das Altersvorsorgedepot für dich lohnt, hängt kaum davon ab, welchen ETF du darin hältst. Es hängt davon ab, wie viel der Staat auf jeden deiner Euros drauflegt. Diese Zahl nennen wir hier Förderquote: Zulage geteilt durch deinen Eigenbeitrag.

Ein Beispiel vorweg: Wer 600 € im Jahr einzahlt und 840 € Zulage bekommt, hat eine Förderquote von 140 %. Wer 1.800 € einzahlt und 540 € bekommt, liegt bei 30 %. Beides kann sinnvoll sein – aber es sind völlig verschiedene Ausgangslagen.

Kurz die Bausteine, mit denen wir rechnen:

BausteinRegelMaximum
Grundzulage, Stufe 150 Cent je Euro bis 360 € Eigenbeitrag180 €
Grundzulage, Stufe 225 Cent je Euro von 360 € bis 1.800 €360 €
Kinderzulage1 € je eingezahltem Euro300 € pro Kind und Jahr
Berufseinsteigerbonuseinmalig bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag200 €
Mindesteigenbeitragunter 120 € im Jahr gibt es gar keine Zulage
Wie viel Förderung steht dir zu?

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Profil 1: Familien mit Kindern – die höchste Förderquote im System

Die Kinderzulage ist der stärkste Hebel, den die Reform kennt. 1 € je eingezahltem Euro, bis zu 300 € pro Kind und Jahr. Anders als bei Riester spielt das Geburtsjahr des Kindes keine Rolle mehr.

Zwei Kinder, 50 € im Monat (= 600 € im Jahr):

  • Grundzulage: 180 € + (240 € × 0,25) = 240 €
  • Kinderzulage: 2 × 300 € = 600 €
  • Gesamt: 840 € auf 600 € Eigenbeitrag → Förderquote 140 %

Im Depot landen 1.440 € pro Jahr, obwohl du 600 € eingezahlt hast. Diese Quote erreicht kein anderes Profil. Der komplette Durchgang mit Varianten steht in Familien-Rechenbeispiel: 840 € Förderung bei 50 € im Monat.

Profil 2: Berufseinsteiger – der Bonus verzerrt das erste Jahr nach oben

Wer vor Vollendung des 25. Lebensjahres abschließt, bekommt einmalig 200 € obendrauf.

Beispiel: 24 Jahre alt, 30 € im Monat (= 360 € im Jahr).

  • Grundzulage: 360 € × 0,50 = 180 €
  • Berufseinsteigerbonus: 200 € (einmalig)
  • Erstes Jahr: 380 € auf 360 € Eigenbeitrag → über 100 %
  • Folgejahre: 180 € auf 360 € → 50 %

Der eigentliche Vorteil ist aber nicht der Bonus, sondern die Zeit. Wer mit 24 anfängt, hat über 40 Jahre Laufzeit. Ein junger Mensch mit kleiner Rate schlägt einen späten Starter mit großer Rate fast immer – nicht wegen der Förderung, sondern wegen des Zinseszinseffekts.

Der Haken: Mit 24 weiß niemand, ob er mit 30 ein Haus kauft, selbstständig wird oder ins Ausland geht. Und das Geld ist bis 65 gebunden. Details zum Bonus stehen unter Berufseinsteigerbonus.

Profil 3: Gutverdiener ohne Kinder – hier zählt der Steuerabzug, nicht die Zulage

Wer 1.800 € im Jahr (150 € im Monat) einzahlt, schöpft die Grundzulage voll aus:

  • Grundzulage: 180 € + 360 € = 540 €
  • Förderquote: 540 / 1.800 = 30 %

30 % sind ordentlich, aber weit von den 140 % einer Familie entfernt. Der zweite Hebel für Gutverdiener ist der Sonderausgabenabzug bis 2.340 € pro Jahr (ohne Kinder). Je höher dein persönlicher Steuersatz, desto mehr ist dieser Abzug wert.

Wichtig noch: Einzahlen darfst du bis 6.840 € im Jahr. Absetzen kannst du davon nur bis 2.340 € (ohne Kinder). Wer mehr einzahlt, bekommt darauf weder zusätzliche Zulage noch zusätzlichen Abzug – nur die steuerfreie Ansparphase. Mehr dazu: Sonderausgabenabzug.

Profil 4: Geringverdiener – kleine Beträge, starke Quote

Hier zeigt sich, warum die Staffelung der Grundzulage klug gebaut ist. Die erste Stufe (50 Cent je Euro) belohnt gerade kleine Beiträge überproportional.

Eigenbeitrag pro Monatpro JahrGrundzulageFörderquote
10 €120 €60 €50 %
20 €240 €120 €50 %
30 €360 €180 €50 %
50 €600 €240 €40 %
150 €1.800 €540 €30 %

Bis 360 € im Jahr bekommst du auf jeden Euro 50 Cent. Das ist die beste Grundzulagen-Quote im System – und sie kostet dich 30 € im Monat.

Ein Punkt, den du kennen musst: Unter 120 € Eigenbeitrag im Jahr gibt es gar keine Zulage. Nicht weniger – keine. Diese Schwelle ist hart. Wer 5 € im Monat spart, verschenkt die komplette Förderung.

Und die andere Seite: Wenn du keine Rücklage für unerwartete Ausgaben hast, ist gebundenes Geld ein Risiko. Erst der Notgroschen, dann die geförderte Altersvorsorge.

Profil 5: Selbstständige – ein offener Punkt, den wir nicht überspielen

Für Selbstständige gilt: Das Grundproblem ist nicht die Förderhöhe, sondern die Liquidität. Kein Arbeitgeber legt etwas drauf, das Einkommen schwankt, und das Kapital ist bis 65 gebunden. Wer im schlechten Jahr an sein Geld müsste, kommt nicht dran.

Wer aber förderberechtigt ist und stabil verdient, für den gelten dieselben Rechnungen wie oben – mit Kindern entsprechend stark.

Profil 6: Rentennahe Jahrgänge – kurze Laufzeit, klare Grenzen

Mit 58 abschließen? Möglich, aber die Rechnung sieht anders aus.

  • Die Zulagen gibt es weiter – 540 € Grundzulage pro Jahr sind auch mit 58 erreichbar.
  • Den Berufseinsteigerbonus gibt es nicht mehr.
  • Der Zinseszins hat kaum Zeit zu wirken. Sieben Jahre sind keine dreißig.
  • Auszahlung frühestens mit 65, spätestens mit 70. Ein Auszahlplan läuft mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr, die Einmalentnahme ist auf 30 % begrenzt.
  • Kursschwankungen kannst du kaum noch aussitzen – die Garantievariante wird relevanter.

Die Zulage bleibt ein realer Zuschuss. Aber Produkte ohne Garantie und mit kurzer Restlaufzeit sind eine andere Wette als mit 25. Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, sollte zuerst behalten oder wechseln durchdenken, statt neu anzufangen.

Die Profile im Überblick

ProfilTypische FörderquoteWas wirklich zählt
Familie, 2 Kinder, 50 €/Monatca. 140 %Kinderzulage – der stärkste Hebel
Berufseinsteiger unter 2550 %, erstes Jahr höherLaufzeit und Zinseszins
Gutverdiener ohne Kinderca. 30 %Sonderausgabenabzug bis 2.340 €
Geringverdiener, 30 €/Monat50 %Mindestbeitrag 120 € nicht unterschreiten
Selbstständigeje nach SituationLiquidität, Förderberechtigung prüfen
Rentennahe Jahrgängebis 30 %Kurze Laufzeit, Garantiebedarf

Das Wichtigste in Kürze

  • Familien mit Kindern holen die mit Abstand höchste Förderquote heraus: 840 € Zulage auf 600 € Eigenbeitrag sind bei zwei Kindern realistisch.
  • Kleine Beiträge werden am besten gefördert – bis 360 € im Jahr gibt es 50 Cent je Euro. Aber unter 120 € Eigenbeitrag im Jahr gibt es gar keine Zulage.
  • Gutverdiener ohne Kinder kommen über die Zulage nur auf rund 30 %; für sie ist der Sonderausgabenabzug bis 2.340 € der eigentliche Hebel – das gehört zu einer steuerberatenden Person.
  • Berufseinsteiger profitieren weniger vom 200-€-Bonus als von 40 Jahren Laufzeit.
  • Für Selbstständige und rentennahe Jahrgänge steht und fällt es mit Liquidität, Laufzeit und Garantiebedarf – hier gibt es keine pauschale Antwort, und wir geben auch keine.

Quelle

BMF: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge

Rechtsstand: 13.07.2026. Dieser Beitrag informiert über die gesetzliche Neuregelung und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

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